Freitag, 29. Juli 2011

Schablonieren - WIP Johnny-Mauser-Pullover

Ich kenne da einen kleinen Jungen, gerade 4, der ist ein grooooßer Mullewapp-Fan und wünscht sich einen Pullover (in gelb und rot), auf dem soll Johnny Mauser drauf sein. Aber wie? Ich hab mich fürs Schablonieren entschieden und möchte euch hier zeigen, wie das funktioniert.

Zuerst habe ich ein Bild aus dem großen weltweiten Netz gefischt, das Johnny Mauser in passender Pose zeigt:


Dann habe ich Johnny isoliert und auf die richtige Größe gebracht.


Ich hab mich für 2 Schablonen entschieden: Einmal die gesamte Kontur und dann einmal Details. Die werden später teils hell, teils dunkel, ich hätte also auch 3 Schablonen machen können. Aber man kann auch kleine Teile separieren, wie, zeige ich gleich, daher kam ich um 1x zu viel Schnippeln herum. So sehen die fertigen Schablonen (aus OHP-Folie) aus – man erkennt leider nicht viel.


Besser sichtbar wird’s, wenn sie auf dem Ausdruck der Maus liegen:


Nun die Schablonen von links mit „Stencil Fix“ einschmieren. Das Zeug ist Gold wert: Man bestreicht die Folie damit und nach einigen Minuten ist sie wie gummiert. Und bleibt so. Man kann sie nun auf dem Stoff festpappen, sie verrutscht nicht mehr und es läuft auch nix drunter, andererseits ist sie aber nicht bombenfest geklebt, was Schwierigkeiten beim Ablösen verursachen könnte und so evtl. die Schablone zur Einweg-Schablone macht, man kann sie gut reinigen und immer wieder verwenden. Alternativ könnte man Sprühzeitkleber verwenden, aber der zieht manchmal Fäden und lagert sich mit der Zeit auf der Schablone ab, oder man könnte die Schablone nur mit Tesakrepp auf dem Stoff fixieren, dann aber läuft ggf. Farbe unter die Ränder. Sieger nach Punkten also: Stencil Fix.



Jetzt wird die Konturenschablone auf dem Stoff aufgepappt. Dazu markiere ich mit dem Bügeleisen den Mittelpunkt (einmal längs, einmal quer mittig falten und bügeln) und platziere die Schablone dann gefällig. Festdrücken.



Jetzt beginnt die Kunst. Johnny ist grau, aber in der Zeichnung mit Schattierungen. Die versuche ich durch unterschiedliche Mischungsverhältnisse der weißen und schwarzen Stofffarbe (ich nehme immer die gut deckende für farbige Stoffe) ein bisschen nachzumachen. Mit den Naturschwämmchen (seit Jahahahren im Einsatz) geht das ganz gut. Sie schlucken allerdings ordentlich Farbe.


 Und nun lüften wir die Schablone.


Wenn das alles gut getrocknet ist, kommt Schablone 2 zum Einsatz. Die Augen und die Aussparung zwischen den Beinen, wo „Licht“ durchguckt, werden mit dem Stupfpinsel (für kleinere Stellen besser geeignet als das Naturschwämmchen, das ich sonst nehme) geweißelt. Die Stelle zwischen den Beinchen hätte eigentlich gelb wie der Hintergrund sein sollen, hab ich aber irgendwie grad nicht... also weiß. Sieht ein klein wenig obszön aus cool.


Und wieder nachschauen, was draus geworden ist:


Johnny guckt noch ein bisschen doof zunge - Dass jetzt einige Stellen, die später dunkel werden sollen, etwas Weiß abgekriegt haben, macht nix: da kommt einfach dunkel drüber. Ist schließlich die gute deckende Farbe.
Jetzt werden die eben geweißelten Stellen auf derselben Detailschablone mit Tesakrepp separiert und die Schablone (Johnny mit Tanga und Brille grinsen) wieder aufgelegt. Und dann wird mit dunkelgrau/schwarz getupft, wieder mit dem Schwämmchen.



Und – *Tadaaaa* Johnny ist fertig schabloniert.


Ein paar Kleinigkeiten werden nun noch nachgemalt: die Augen, die glänzende Nase, ein paar Linien, die Strubbelfrisur, ein paar Linien. Fertig ist Johnny.



Ich fand ihn aber noch ein bisschen unmotiviert in der Mitte rumstehend und hab ihn auf eine Wiese gestellt. Dann kann er auch ein Blümchen im Mund haben (im Original lehnt er ja an einem Strohballen und kaut auf einer Ähre – vor gelbem Hintergrund eher suboptimal). Hier die Endausführung:




 Und zum guten Schluss: Johnny Mauser aus Mullewapp, schabloniert und gemalt und in Großaufnahme:


Inzwischen habe ich Johnny bügelfixiert und er ist das Vorderteil eines rot-gelben Pullovers geworden, auf dessen Rückseite in Rot der Name des künftigen stolzen Besitzers prangt:


Für diejenigen, die jetzt angefixt sind, noch ein paar Daten:

Liste, was man alles braucht:

- Motiv, mittels Computer und Drucker auf richtige Größe gebracht
- mehrere Blatt Folie
- dünnen Permanent-Folienstift
- Cutter/Skalpell, Nagelschere und spitze kleine Stickschere oder sowas Ähnliches
- schnittfeste Unterlage (Schneidmatte zum Stoffzuschneiden oder dicke Pappe)
- 2-3 Naturschwämmchen (echt! alternativlos, kein Kunstschwamm kann das ersetzen)
- evtl. Stupfpinsel
- Stencil-Fix
- Stofffarben für dunkle Stoffe (decken gut, auch übereinander), ich hab jetzt die von Marabu genommen, die sind okay, DeKa soll besser sein
- verschiedene Pinsel
- Bogen nichtabfärbendes Unterlegpapier (Stoffarbe geht durch und man kleckert immer)
- Bügelbrett und Bügeleisen zum Fixieren
- viel Zeit

Die einzelnen Arbeitsschritte dauern nicht lange, aber zwischendrin muss die Farbe immer trocknen und der Stoff samt Unterlage blockiert einen großen Tisch.

Tatsächliche Arbeitszeit:

Schablonenzeichnen und -schneiden: etwa 1,5 Stunden

Schablonieren und Malen (ohne Wartezeit): etwa 1 Stunde

Fotografieren und einstellen: etwa 2 Stunden

Sich dran freuen: wochenlang grinsen




1 Kommentar:

  1. Wahnsinn!!!
    Tolle Anleitung!
    Das sieht nach viel viel Arbeit aus. Aber das Ergebnis ist ja auch wirklich SUPER!
    Da wird sich der neue Besitzer aber freuen!

    Auf nach Mullewapp! :)


    LG
    Kadde

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